Geschenke geben

Unter all den Blogs, die ich mal hatte, gab’s auch einen, der ‘The Gift Study’ hieß (ich war zu der Zeit sehr von Sherlock Holmes angetan) und es ging dabei um Geschenke. Vielleicht ein recht eigentümliches Thema, nicht etwas, womit man sich tagein, tagaus beschäftigt – es sei denn, die Situation verlangt es – aber ich finde es faszinierend. So sehr, dass ich von einer großen Geschenk-Firma geträumt habe, die sich auf maßgeschneiderte Geschenke spezialisieren würde – Auswahl, Kauf, Verpackung – aber das ist eine Geschichte für ein andermal.

Außerdem, es weihnachtet, also kommen Reflektionen übers Geschenke geben an sich doch ziemlich gelegen. Warum geben wir Geschenke? Was gibt es für berühmte Geschenke? Und warum ist es mir überhaupt wichtig? Dies sind alles Dinge, die ich in den nächsten paar Absätzen versuche herauszufinden, auf einer süßen kleinen Reise in die Welt des Geschenkpapiers, Familienverpflichtungen und komischen Trivia-Fakten, die eigentlich niemand so wirklich wissen muss.

  1. Die Geschichte des Schenkens

Wie der etwas bittere Wikipedia-Artikel über Geschenke offenbart, geht es bei dieser Gepflogenheit um viel mehr, als nur sich darüber zu stressen, was man verschenken sollte. Es kommen Fragen auf über Anlässe, Bedeutungen in verschiedenen Kulturen, kapitalistische Ideen (Werbegeschenke), Implikationen über behavioristische Verstärkung, die ganze Idee von unerwünschten Geschenken und weißen Elefanten, und natürlich den rechtlichen Aspekten des Schenkens – nämlich, wann aus einem Geschenk Bestechung wird.

Aber, lasst uns nicht zu sehr vom unerwarteten Umfang des Themas ablenken, und uns stattdessen auf dessen Geschichte konzentrieren. Ich denke die meisten Menschen wissen ganz persönlich, worum es beim Schenken geht und wie es aussieht (und selbst diejenigen, die in Religionen/Kulturen aufgewachsen sind, wo Schenken verschmäht wird, kennen glaube ich das Prinzip), aber wo kommt es eigentlich her?

Tja, es stellt sich heraus dass diese Frage nicht so leicht zu beantworten ist. Es scheint, als ob die Diskurse rund ums Schenken sich auf dessen soziale, kulturelle und wirtschaftliche Ausmaße fokussieren, nicht so wirklich auf den Ursprung. Zudem, soweit ich ich das nachvollziehen konnte, wann immer der Ursprung doch genannt wird, wird der Brauch oft einfach als eine uralte Tradition, ein sozialer Vertrag, ein universelles Verhalten, eine gängige Praxis, eine Verhaltensstrategie, die von einer Generation zur nächsten weitergereicht wird, eingestuft, als ob er keinen Anfang hätte, als ob Höhlenmenschen es schon taten.

Was wahrscheinlich so war – es scheint relativ plausibel, da Schimpansen und Bonobos es auch tun, und sie sind unsere nächsten lebenden Verwandten und wir haben dieselben Vorfahren und so – aber das ist keine wirkliche Antwort auf meine Frage. Ich habe Hinweise darauf gefunden, dass sich unsere Vorfahren gegenseitig Säbelzähne geschenkt haben, aber nichts wirklich bedeutendes. Es gibt Beispiele von berühmten Geschenken aus der Menschheitsgeschichte (über die ich gleich noch etwas mehr schreibe), was darauf zurückschließen lässt, dass es den Brauch wirklich schon so lange wie die Menschheit gibt, aber das sind auch nur Beispiele, nicht wirklich der Ursprung des Ganzen.

Es gibt ein paar Anlässe, an denen man Geschenke erwartet, persönliche Jubiläen, wie Geburtstage und Jahrestage, und natürlich soziale Ereignisse, verschiedene Feste und Feiern. Besonders die Geschichte von Weihnachtsgeschenken scheint etwas greifbarer zu sein, einfacher zu verstehen als die Institution des Schenkens als Ganzes, denn, so wie manche berichten, soll der Ursprung von Weihnachtsgeschenken nur bis ins 19. Jahrhundert, und ausgerechnet nach New York, zurückreichen. Ein Artikel im Atlantic über dieses Thema beschreibt die Einführung des Schenkens als einen Weg Weihnachtsfeste – die von Armen mit Gewalt in den Straßen gefeiert wurden – aus dem öffentlichen Leben in den privaten Bereich zu verschieben – sodass keine armen Menschen mehr Aufstände für Arbeiterrechte anzetteln würden oder so.

Weiter in der Geschichte, dieses Bedürfnis der Elite die Straßen von solch ‘unerwünschtem’ Volk zu befreien überschneidete sich mit dem Bedürfnis genau dieser Eilte ihre Kinder spirituell aufrichtig zu erziehen, damit sie weiter ihr Leben so wie zuvor leben können würden. Dazu kam die entstehende Mittelschicht und der Drang des kapitalistischen Marktes zu wachsen und plötzlich entstanden ein paar moderne Konsumenten-Mythen, Bibeln als Geschenke für Kinder, Gedichte über süße Naschereien, ein Zeichner (und später ein Hersteller von kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken), der einen Heiligen und/oder ein Märchen über einen teilweise gruseligen Elfen neu erfand und als fröhlichen, alten Großvater mit Bart verkaufte – und bitte sehr, schon gibt’s Weihnachtsgeschenke. Und dabei dachte ich wir würden eigentlich die drei Heiligen Könige nachahmen, wobei wir halt nur gemerkt haben, dass Harz und Gold keine angemessenen Geschenke für Babys sind.

Wieviel davon eigentlich wahr ist und inwiefern es sich in anderen Kulturen verbreitet hat kann ich nicht beurteilen, aber es erscheint auch plausibel. Mit dem Beginn der Industrialisierung und dem Entstehen der Mittelschicht erscheint es denkbar, dass sich soziale Skripte entwickelt haben, die einen freundlichen Austausch von Gütern verlangten, nicht nur wegen des materiellen Vorteils der Transaktion, sondern auch um gemeinschaftliche Verträge aufrecht und die Regeln der Gesellschaft zu erhalten (der Gesellschaft, in der wir leben, wohlgemerkt).

Was auch immer also diesen Brauch ins Leben gerufen hat, ob es nun Industriemagnaten, moderne Eliten oder eine angeborene Reaktion ist, die sich im Laufe der Bildung von Gemeinschaften entwickelt hat – er scheint wirklich schon immer dagewesen zu sein. So wie viele andere gesellschaftlich Mechanismen hat er er viele Vorteile, kann aber auch, und wird, für böse Zwecke genutzt.

Aber um es nochmal zusammenzufassen – man kann davon ausgehen, dass Menschen seit jeher Geschenke geteilt haben. Die Umstände und Rituale mögen anders sein oder sich mit der Zeit verändert haben, aber die Gepflogenheit an sich scheint durchweg in der Geschichte der Menschheit vorhanden gewesen zu sein. Das ist sicherlich keine zufriedenstellende Antwort auf meine ursprüngliche Frage, aber ich nehme sie hin. Nicht nur weil ich weder qualifiziert noch verrückt genug bin das letzte Morsel der Wahrheit des Schenkens zu finden – sondern weil ich mit dieser allgemeine Antwort wohl so nah an der Wahrheit liege, wie ich es je könnte. Es ist ja nicht so, als ob es irgendeinen Auslöser gäbe, der das Teilen von Geschenken verursacht hätte – es war ein Prozess, und ist es immernoch, wie so viele der spaßigen, bewährten sozialen Routinen, die wir so gerne für selbstverständlich halten.

  1. Ein paar berühmte Geschenke

Also, da mein irgendwie viel zu zynisches Meckern jetzt aus dem Weg geschafft ist, kann man sich auf den spaßigen Teil konzentrieren und ein paar berühmte und/oder öffentliche Geschenke auflisten.

Das erste berühmte Geschenk, das mir einfällt, ist tatsächlich der Taj Mahal, obwohl, eigentlich kann man darüber streiten, ob es wirklich ein ‘Geschenk’ ist. Wie dem auch sei, es ist das Mausoleum für Mumtaz Mahal, die Frau des indischen Herrschers Shah Jahan. Und er hat es für sie gebaut, also müsste das auch irgendwie zählen – ein posthumes Geschenk? Eigentlich ist das gar nicht so wichtig, Fakt ist, wenn es um Gebäude geht, dann ist dieses fest in meinem Unterbewusstsein als ein ziemlich berühmtes Geschenk verankert.

Aber im Laufe der Geschichte wurden auch andere Gebäude verschenkt, wie die Freiheitsstatue zum Beispiel, ein Symbol der Freiheit und Demokratie (und des Kupfers, welches sich korrosiv grün verfärbt), von einem Amerika-begeisterten Franzosen an das Land der Freien und die Heimat der Tapferen. Sie hat die Weltgeschichte mit Sicherheit geprägt und die Reise, wie alle Teile über den Ozean gebracht und in die Figur zusammengesetzt wurden, die man heute kennt, hört sich nach einem wahren Abenteuer an – aber von nahem ist sie wahrlich nicht so beeindruckend wie auf Nahaufnahmen in ermutigenden, amerikanischen reiß-dich-zusammen Filmen. Aber trotzdem. Was für ein Geschenk.

Dann, noch weiter in der Vergangenheit, die Hängenden Gärten von Babylon (nicht zu verwechseln mit den ‘Flüssen von Babylon’, dem Reggae-Hit aus den 70ern) – auch ein gewaltiges Geschenk, leider im Sand der Zeit verloren; falls sie überhaupt je existiert haben, versteht sich. Laut der Fabel hat König Nebukadnezar II die Gärten für seine Frau Amytis errichten lassen, die Heimweh nach den Bergen hatte. Also, ließ er ein kompliziertes Bewässerungs- und mehrstufiges Terrassensystem entwickeln, um die legendären Berg-Gärten entstehen zu lassen. Obwohl sie als eines der sieben Weltwunder gelten ist ihre Existenz dennoch umstritten – im Endeffekt macht es keinen wirklichen Unterschied, denn trotz allem ist es eine großartige Geschichte (und ein großartiges Geschenk!).

Fast also ein mythisches Gift, diese Hängenden Gärten, was mich zu einem Schlenker in ein noch viel mythischeres Land bringt (obwohl es für eine Weile doch als historisch galt) und das ultimative Geschenk – Prometheus und seine Gabe des Feuers an die Menschheit. Klar, es gibt viele Geschenke in der griechischen Mythologie, in jeder Mythologie – aber dieses finde ich besonders, nicht nur weil es ein außerordentliches Geschenk ist, das Symbol von Gerechtigkeit und Widerstand (und Prometheus ist ein cooler Name) – sondern auch weil es ein herrlich lustiges Zitat in Jon Tron’s “Flextape”-Video inspiriert hat, und das ist nun wirklich ein Geschenk an die Internet-Gemeinde an sich.

Und wir verweilen noch einen Moment in der Welt des Mythischen, denn ich kann keinen Artikel schreiben ohne meine Lieblingsgeschichte zu erwähnen – Herr der Ringe, natürlich. Dort werden vielzählige Geschenke beschrieben, und sie sind auch oft die Ursache schrecklichen Unheils in Tolkiens Geschichten, dennoch will ich mich lieber, als auf ein bestimmtes Artefakt, auf die Kunst des Schenkens selbst konzentrieren. 

Hobbits, wie bei so vielen anderen Dingen, haben auch ihren ganz eigenen Weg mit Geschenken umzugehen. Obwohl sie nicht übermäßig reich sind, zumindest nicht in dem kapitalistischen Sinne, schenken sie gerne viel und oft (es sei denn es handelt sich um Sackheim-Beutlins, versteht sich) und verschenken eher Kleinigkeiten an ihrem Geburtstag, statt welche zu bekommen. Wie Tolkien schreibt:

“Hobbits pflegen an ihren Geburtstagen anderen Geschenke zu machen. In der Regel nicht sehr teure und nicht so verschwenderisch wie bei dieser Gelegenheit; aber es war kein schlechtes System. Denn da in Hobbingen und Wasserau an jedem Tag des Jahres irgend jemand seinen Geburtstag feierte, hatte jeder Hobbit in diesen Gegenden gute Aussicht, mindestens einmal wöchentlich mindestens ein Geschenk zu bekommen. Doch wurde es ihnen niemals über.”

Es gibt so viele Geschenke, die ich aus dieser Sage beschreiben könnte – aber das dürfte fürs erste reichen. Und wir kehren auch zur Realität zurück, oder zur Geschichte zumindest – um ein bisschen über ein berühmtes königliches Geschenk aus Polen (oder Preußen damals) zu schreiben. Weil königliche Geschenke sind ja auch so ein Ding, und von den vielen, die in den letzten paar Jahrzehnten verschenkt wurden, der Orlow-Diamant, ein Fabergé-Ei und endlose Schmucksammlungen der britischen Krone, ein Geschenk das wirklich faszinierend ist, ist die legendäre paar-Meter-lange Perlenkette der Prinzessin Daisy von Pless.

Wie es mit königlichen Artefakten so läuft, es entstanden viele Gerüchte rund um die Kette, besonders eine Geschichte setzte sich durch: als Daisy, eine britische Aristokratin aus dem 19. Jahrhundert, den Grafen von Hochberg heiratete, den zukünftigen Fürsten von Pless, begaben sich die beiden angeblich auf eine Hochzeitsreise auf einer Seefahrt auf das Rote Meer. Der Graf organisierte anscheinend ein aufwändiges Perlentauch-Spektakel, welches das Brautpaar von ihrem Schiff beobachtete. Dann erschien ein junger Taucher an der Oberfläche, spuckte angeblich Blut und verfluchte die Prinzessin, woraufhin er starb. 

Als Daisy die Kette aus diesen Perlen dann bekam verfolgte sie nur noch das Unglück und als sie starb, arm und alleine, wurde sie mit der Kette begraben, sodass niemand wieder unter dem Fluch leiden müsse. Das Grab wurde später ausgeraubt und die Kette verschwand, was es zur Legende machte.

Tja, die Wahrheit ist mal wieder etwas weniger dramatisch. Die Kette stammte tatsächlich von einem Juwelier in Paris – obgleich die genaue Länge der Kette wirklich nicht bekannt ist, etwas zwischen sechs und sieben Metern – und wurde wahrscheinlich zerteilt und verkauft, als die Familie schwere Zeiten nach dem ersten Weltkrieg erlitt. Daisy wurde mit einer Perlenkette begraben, aber einer kurzen – und diese wurde dann tatsächlich gestohlen, als ihr Grab gefunden und auseinander gelegt wurde. 

Aber was nun aus der sagenhafte Kette wurde ist ungewiss – ob sie wirklich zerschnitten und dann neu aufgefädelt wurde oder während einer Zwangsenteignung der kommunistischen Geheimpolizei abhanden gekommen ist – das weiß niemand so genau. 

Und, um diesen Teil abzuschließen, etwas vielleicht nicht legendäres, aber nicht minder unterhaltsames: ein gegenwärtiges Geschenk, eines meiner Lieblingsvideos eines Interviews, das zum Deskpiece wurde – die Geschichte wie David Letterman Conan O’Brien ein Pferd schenkte. Diese Geschichte holt mich mit allem ab: amerikanisches Late Night, ein großartiger Geschichtenerzähler und eine so absurde Story, naja, die umso lustiger ist, weil sie wahr ist. 

Ich könnte nicht im geringsten wiedergeben wie lustig diese Geschichte ist, also werde ich es nicht einmal versuchen, aber ich sachet mal so, es lohnt sich die 10 Minuten zu investieren. Wahrscheinlich könnte ich hier etwas über das Schenkverhalten der Oberschicht und Promi-Kultur einwerfen, aber das mache ich mal nicht – diesmal ist es nur eine nette Geschichte, die perfekt zu meinem Artikel passt. 

Eine sehr diverse Welt also, die Welt der berühmten/historischen Geschenke. Und ich hab nicht mal ein wirkliches Fazit aus diesen ganzen Beispielen, außer halt, ist cool eben. Andererseits gibt es eine komplett andere Welt des Schenkens die vielen vielleicht vertrauter vorkommt, als die hier genannten großen Gesten und Big-Budget Präsente – nämlich die Geschenke, die man privat austauscht. Die selbstgebastelten Grußkarten, sorgfältig ausgesuchten Gegenstände, die endlose Internet-Recherche bis man das perfekte Stück gefunden hat. Und, damit an alles gedacht ist bezüglich dieses Themas, widme ich ein paar Absätze genau diesen.

  1. Ein paar persönliche Gedanken zum Schenken

Ich mag Geschenke. Nicht nur sie zu bekommen, aber eben auch sie zu verteilen. Ich weiß manchmal ist es eine lästige Pflicht, und manchmal geht es nach hinten los, und es gibt so viele Rituale und Regeln, die damit verbunden sind – Blumen zum Beispiel, da gibt es Symboliken verbunden mit Farben und Arten und Weisen wie man sie schenkt. Dann gibt es noch unzählige Schenk-Anleitungen für unterschiedlichste Anlässe und obwohl es sich so anfühlt, als ob die Regeln über die Jahre etwas gelockert wurden, oder sich zumindest geändert haben, so gibt es immer noch Dinge und Zeiten verbunden mit Schenken die ‘angemessen’ oder ‘unangemessen’ sind.

Ich selbst scheiße gern auf sowas und sehe Geschenke eher als Design-Herausforderung – Basteln für Erwachsene, wenn man so will, mit einem Hauch von Design Thinking. Was zynisch klingen mag, aber eigentlich richtig Spaß macht. Es ist ein nettes kleines Hobby und am Ende des Tages kann man Menschen damit glücklich machen (hoffentlich – das ist jedenfalls das Ziel).

Das einzig ‘unangemessene’ Geschenk was ich je verschenkt habe, an das ich mich erinnern kann, war als ich ein Kind war und dachte Münzen wären ein guter Ersatz für Konfetti in einer Geschenktüte. Rückblickend denke ich mir, dass es wohl mehr wie Schrapnell aussah als irgendwas anderes – aber zum Glück komme ich heutzutage nicht mehr auf solche Ideen

Ich verschenke jedoch immer noch gerne Geschenke und hier ist eine kurze Zusammenfassung wie dieser Prozess so bei mir aussieht. Wann immer es einen Anlass gibt, dass ich jemandem etwas schenken kann, überlege ich zuallererst gerne was ich über diese Person weiß und wie ich sie glücklich machen kann. Ich versuche keine ‘Pflichtgeschenke’ zu geben – und selbst wenn ich es muss, dann versuche ich zumindest etwas ein bisschen spezielles zu teilen oder einen persönlichen Twist hinzuzufügen (was schwierig sein kann, falls man den Empfänger nicht gut kennt). Selbstverständlich kann ich nicht wirklich voraussehen was jemandem gefallen wird oder nicht, aber wenn es etwas ist worüber die Person gesprochen hat, etwas in einem Gespräch heraufgekommen ist oder etwas bewirkt, dass ich an diese Person denke, dann ist es wahrscheinlich eine sichere Sache.

Dann, natürlich, die Frage der Logistik. Schenken macht, finde ich, vielleicht ein bisschen mehr Spaß wenn man mehr Geld dafür ausgeben kann, aber es ist keine Voraussetzung – Geld is eigentlich nur ein sehr kleiner Teil des Ganzen. Was viel wichtiger ist sind technische Fragen wie: falls man etwas bestellen möchte, hat man genug Zeit, damit es ankommt? Wenn man im Laden einkaufen möchte, findet man auch das, wonach man sucht? Und falls man etwas selbst bastelt, kann man es überhaupt zusammensetzen? Handgemachte Geschenke sind auch besonders, denn sie müssen nicht perfekt sein, obwohl es (nehme ich an) schon gut wäre wenn man etwas nicht nur mit einer guten Intention macht, sondern auch etwas was funktioniert/gut aussieht.

Nach all diesem Denken kommt mein Lieblingsteil – das Tun an sich. Ich liebe es in Geschäften rumzulaufen, über die Leute die ich mag nachzudenken und herauszufinden was ich ihnen schenken könnte; oder online zu stöbern, fast schon auf Jagd zu gehen, bei all dem Schnickschnack und Krimskrams; über Erlebnisse nachzudenken, die die Person gerne mitmachen würde, und ob ich diese verwirklichen kann; oder Werkstoff zu sammeln und etwas selbst zu basteln. Ich bin bei weitem kein Bastelmeister, aber es ist ausgesprochen beflügelnd sich ein Projekt auszudenken und es dann durchzuziehen. Ich habe schon Glasmalerei im kleinen Ausmaß betrieben, personalisierten Merch gedruckt und ein oder zwei Schmuckstücke angefertigt. Was ich besonders mag ist Grußkarten selbst zu machen (obwohl ich als Kind auch immer das Geburtstagskind auf den Karten unterschrieben hab und es vielleicht ein paar Jahre länger dauerte, als es sollte, um zu verstehen, warum das vielleicht nicht der brillianteste Einfall meines Lebens war); und ich verschenke auch sehr gerne Bücher.

Aber ein Buch ist doch sehr unpersönlich – obgleich es Wege gibt, dies zu umgehen. Ich verschenke gerne meine Lieblingsbücher – Das Parfüm hab ich ein paar mal verschenkt, und Die Bücherdiebin – und obwohl manche es missbilligen, schreibe ich sehr gerne Wünsche auf den ersten paar Seiten. Dadurch wird ein Buch etwas einzigartiges und wunderbares und obwohl ich vielleicht in ein paar Jahren an die kitschigen Widmungen denken, die ich mal geschrieben habe und mich peinlich berührt fühlen werde – aber scheiß drauf, es macht Spaß!

Allerdings kann man nicht nur Bücher einfach personalisieren. Eine Grußkarte wird dadurch besser, wenn man ein unterschriebenes Bild hinzufügt, eine Glückwunsch-E-Mail kann Wortspiele und Insiderwitze enthalten und die kleinste und simpelste Sache, aber verfeinert mit etwas Persönlichem kann genau den Unterschied machen. Nicht nur beim Geben, sondern auch beim Bekommen – und hier denke ich an all die Zeichnungen, kreativen kleinen Projekte, personalisierten Gegenstände, schönen Kleinigkeiten und an das lustige Zeug was ich über die Jahre geschenkt bekommen habe.

Dann, der vorletzte Schritt, der gefühlt gerne übersehen wird – die Verpackung. Denn die Verpackung ist genauso wichtig wie der Inhalt an sich! Und es gibt so viele Arten, wie man es kreativ gestalten kann. Ich erinnere mich daran wie meine Schwester mir es beigebracht hat, als sie noch an der Uni studierte und komplexe Verpackungen aus Alufolie bastelte. Unsere Budgets und Fähigkeiten haben sich seitdem entwickelt, aber die Idee bleibt immer die gleiche – die Verpackung in den Schenkprozess einzubinden, so wie den Inhalt an sich.

Auf einem Junggesellinnenabschied auf dem ich neulich war stieß ich auf eine großartige Idee für eine Verpackung – ein riesiger Pappkarton bis zum Rand gefüllt mit Ballons und zerknülltem Geschenkpapier, sodass die zukünftige Braut in dem Karton rumfischen musste, um ihr Geschenk zu holen. Ferner gibt es vielzählige Online-Tutorials wie man bestimmte Gegenstände mit Papier verpacken kann. In den letzten Jahren benutze ich immer eigentlich braunes Papier und Garn – es ist super neutral, sieht immer ordentlich aus und sticht überraschenderweise meistens hervor – oder Briefumschläge, oder besondere Giftboxen oder alles, was Spaß macht zu dekorieren. Ich hatte auch eine Weile eine Phase, wo ich Verpackungen aus Filz genäht habe, Beutel und so, als ich jünger war. Natürlich werfe ich auch manchmal alles einfach in eine Geschenktüte – aber selbst dann gibt es viele Möglichkeiten, etwas besonderes draus zu machen, mit schönen Schleifen oder entsprechenden Motiven auf der Tüte selbst.

Und dann, das große Finale – das Überreichen des Geschenkes. Es gibt keine eine Regel wie man es am besten tut, es hängt alles vom Kontext ab, aber ein paar lustige fallen mir schon ein. Eine persönliche Lieferung ist natürlich das beste, wenn man dabei zusehen kann wie die Person das Geschenk auspackt und sich freut, aber ich habe Geschenke auch mal gerne vor Haustüren hinterlassen oder sie per Post geschickt. Was auch immer man wählt, ich finde es ist wichtig das endgültige Ziel stets im Auge zu behalten – den Empfänger glücklich zu machen.

Und das bezieht eigentlich auf den ganzen Prozess. Klar, ich betrachte das Schenken schon als kleines Hobby, und ich habe dadurch viele nützliche Fähigkeiten gelernt, aber das sind nicht die Gründe, warum ich es tue. Es ist weil es nichts schöneres gibt als eine andere Person glücklich zu machen, zu sehen, wie sie aufheitert, und ein klein bisschen Magie in einer Welt zu erschaffen, die halt so ist, wie sie ist. Und vielleicht sind Geschenke auch so entstanden – von etwas Gutem, aus der einfachen Freude des Teilens und Bekommens, aus dem Bedürfnis aufmerksam zu sein und seine Gefühle mit etwas greifbarerem auszudrücken als flüchtige Wörter und starke Händedrücke.

Ach, wer weiß schon. Wie dem auch sei, es macht einen Haufen Spaß, und darum geht’s im Endeffekt.


Nun, das hat sich schon wie ein emotionaler Rollercoaster angefühlt – von zynischen Geschichten über kalkulierte Gier bis hin zu erhabenen Ideen von Freundschaft und Einklang. Aber das machen Geschenke nun mal mit mir, mein Herz wird ganz schwammig und ich denke an schöne Dinge.

Was schön ist, und gut, und etwas was ich nur empfehlen kann. Ich sage nicht, dass jeder jetzt ein Fan vom Schenken werden soll, und mir ist schon bewusst, dass nicht jeder diese Gepflogenheit mit derselben Vorliebe wir ich betrachtet – unnötiger Konsumismus und so – aber das ist auch okay.

Ich finde es auf jeden Fall spannend, und schlussendlich ist diese Ecke des Internets für solche Dinge gedacht, wie ich schon mehrmals angedeutet habe. Wie so ein Geschenk an mich selbst, wenn man so will – oder vielleicht treibe ich es mit dieser Idee jetzt auch zu weit und sollte langsam einen Schlussstrich ziehen. Was ich nun auch tue, mit festlichen Grüßen, und vielen schönen Gedanken an all die Auswahl, Käufe und Verpackungen, die ich dieses Jahr noch vor mir hab.


Die Geschichte des Schenkens:

  1. Wikipedia, Gift, https://en.wikipedia.org/wiki/Gift
  2. Sherry J., 1983, Gift Giving in Anthropological Perspective, in: Journal of Consumer Research, Vol. 10, No. 2
  3. Carmichael L. et al., 1996, Gift Giving and the Evolution of Cooperation, in: Boston College Working Papers in Economics
  4. New York Times, Seeking Human Generosity’s Origins in an Ape’s Gift to Another Ape, https://www.nytimes.com/2018/09/11/science/generosity-apes-bonobos.html
  5. The Atlantic, What Gifting Rituals from Around the Globe Reveal About Human Nature, https://www.theatlantic.com/sponsored/hennessy-2018/what-gifting-rituals-around-globe-reveal-about-human-nature/2044/
  6. The Atlantic, Why Children Get Gifts on Christmas: A History, https://www.theatlantic.com/business/archive/2015/12/why-people-give-christmas-gifts/421908/
  7. Wikipedia, Christmas gift, https://en.wikipedia.org/wiki/Christmas_gift
  8. The Coca-Cola Company, Did Coca-Cola create Santa Claus?, https://www.coca-colacompany.com/faqs/did-coca-cola-invent-santa#:~:text=Coca%2DCola%20did%20not%20create%20the%20legend%20of%20Santa%20Claus.,-But%20Coca%2DCola&text=But%20in%201931%2C%20Coca%2DCola,twinkling%20eyes%20and%20laughter%20lines.

Ein paar berühmte Geschenke:

  1. Taj Mahal website, The Cause of the TajI, http://www.tajmahal.gov.in/the-cause-of-the-taj.aspx
  2. The Statue of Liberty website, Overview + history, https://www.statueofliberty.org/statue-of-liberty/overview-history/
  3. Encyclopædia Britannica, Hanging Gardens of Babylon, https://www.britannica.com/place/Hanging-Gardens-of-Babylon
  4. Boney M. VEVO, Rivers of Babylon, https://www.youtube.com/watch?v=l3QxT-w3WMo&ab_channel=BoneyMVEVO
  5. Greek Mythology, Prometheus, https://www.greekmythology.com/Titans/Prometheus/prometheus.html
  6. Jon Tron Show, Waterproofing My Life With FLEX TAPE – JonTron, https://www.youtube.com/watch?v=8ci2hj7CSHI&t=277s&ab_channel=JonTronShow
  7. Lifehack, 4 Things We All Want To Learn From Hobbits About Birthday Presents, https://www.lifehack.org/articles/communication/4-things-all-want-learn-from-hobbits-about-birthday-presents.html
  8. J.R.R. Tolkien, The Fellowship of the Ring, 2007, Harper Collins, London
  9. Shari’s Berries, 7 Greatest Gifts in History, https://www.berries.com/blog/7-greatest-gifts-in-history
  10. Wałbrzych Dla Was, Urodziny Daisy – cała prawda o słynnych perłach, https://walbrzych.dlawas.info/historia/urodziny-daisy-cala-prawda-o-slynnych-perlach/cid,12267,a
  11. The Late Show with Stephen Colbert, Conan O’Brien Didn’t Ask David Letterman For A Horse, https://www.youtube.com/watch?v=AxG14lbL2Iw

Ein paar persönliche Gedanken zum Schenken:

  1. Dziennik Warto Wiedzieć, Kilka słów o wręczaniu kwiatów, https://wartowiedziec.pl/serwis-glowny/styl-zycia/11202-kilka-sow-o-wrczaniu-kwiatow
  2. But First, Coffee, Life-Changing Gift Wrapping Hacks, https://www.youtube.com/watch?v=dYXaxeJBj5k&ab_channel=ButFirst%2CCoffee

1 thought on “Geschenke geben”

  1. Lieber Max, ich hab deinen Artikeln leider nicht gelesen, weil er mir zu lang war. Du bist aber toll. Alles Liebe, Tom

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